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Schicksal von Kautschuk-Sklaven weiter ungeklärt

Die zwei Witoto Sklaven Omarino und Ricudo wurden
1911 nach Großbritannien gebracht.
© Cambridge University MAA

Eine indigene Frau aus dem Amazonasgebiet hat einen Appell an die Öffentlichkeit gerichtet, um das Schicksal von zwei Indianer-Sklaven aufzudecken. Diese wurden vor 100 Jahren nach Großbritannien gebracht.

Vor genau 100 Jahren stellte die damalige britische Zeitung Daily News die Vorfahren der Frau, Omarino und Ricudo, der britischen Öffentlichkeit vor. Fany Kuiru, eine Witoto-Indianerin aus Kolumbien, bat die Öffentlichkeit ihr "zu helfen, das Schicksal unserer indigenen Brüder aufzudecken … damit der Geist unserer Vorfahren in Frieden ruhen kann."

Die Indianer wurden dem damaligen britischen Konsul Roger Casement in ihrer Heimat Putumayo im südlichen Kolumbien 1910 "präsentiert". Omarino wurde gegen Hosen und ein Hemd getauscht und Ricudo wurde in einem Kartenspiel gewonnen.

Casement wurde von der britischen Regierung entsandt, um die Vergehen an der indigenen Bevölkerung während des Kautschukbooms zu ermitteln. Er brachte die zwei Indianer nach Großbritannien um das Ausmaß des Horrors, welches er aufdeckte, an die Öffentlichkeit zu bringen.

Tausende Amazonas Indianer wurden während des
Kautschukbooms versklavt und umgebracht.
© W Hardenburg

Nachdem das US-Unternehmen Goodyear den Prozess der Vulkanisierung entdeckte, durch welches Gummi verhärtet und für Autoreifen nützlich gemacht wird, schoss die Nachfrage nach Kautschuk aus dem Amazonas in die Höhe. Diese Entdeckung startete die erste Massenproduktion von Autos durch den Industrieführer Ford.

Casement schätzte, dass innerhalb von nur 12 Jahren 30.000 Indigene versklavt, gefoltert und umgebracht wurden, um der europäischen Nachfrage für Gummi nachzukommen.

"Wir werden tief, tief in den Wald geschickt um Gummi zu holen. Wenn wir es nicht bekommen, oder nicht schnell genug sind, werden wir erschossen," berichtete Omarino gegenüber Daily News.

Viele Mitglieder unkontaktierter indigener Völker sind Nachkommen der Überlebenden dieser Gräueltaten während des Kautschukbooms. Sie konnten durch die Flucht in isolierte Teile des Amazonasgebiets der Folter und Ermordungen entkommen, welche einen Großteil der indigenen Bevölkerung auslöschte.

Ein junger Amazonas-Indianer zeigt
erschreckende Narben des Kautschuk-
booms. © R. Casement

Nachdem Fany die Fotos ihrer Vorfahren erhielt sagte sie gegenüber Survival International: "Jede Nation hat ihren Teil dazu beigetragen, die indigene Bevölkerung auszurotten: Kolumbien hat sie vernachlässigt, Peru war federführend an dem Holocaust beteiligt, England finanzierte ihn und Brasilien entwurzelte die Indianer um sie zu Arbeitern auf den Kautschukplantagen zu machen."

Es ist nicht bekannt, was aus den zwei Sklaven wurde. Ihre letzten Worte zu Daily News waren: "London ist wundervoll, aber der große Fluss und der Wald wo die Vögel fliegen, ist noch schöner. Eines Tages werden wir zurückgehen." Man weiss nicht, ob sie in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: "Der Kautschukboom mag uns wie Geschichte vorkommen, aber seine Nachwirkungen sind auch heute noch zu spüren. Als der Westen seine Affäre mit dem Automobil begann, wurden seine Liebesbriefe in dem Blut Indigener geschrieben. Ein britisches Unternehmen hat in der Witoto-Region ein Verbrechen an der Menschheit begangen. Die Parallele sollten nicht übertrieben werden, aber auch heute gibt es noch britische Unternehmen wie Vedanta Resources in Indien, die versuchen, indigenes Land zu stehlen. Es ist an der Zeit diese Verbrechen aufzuhalten und indigene Völker wie Menschen zu behandeln."

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